Windows Vista ist nun endlich (?) erhältlich und viele fragen sich: was hat Microsoft da eigentlich die ganze Zeit gemacht? Ausser ein paar schlecht von Apples MacOS X abgekupferten graphischen Aufbesserungen und einer stärkeren Gängelung der Nutzer (”Sind Sie sich wirklich ganz ganz sicher, dass sie das Programm deinstallieren wollen?”) nichts neues.
Ach ja, sagte ich da graphische Aufbesserungen? MacOS X hat bereits gezeigt, dass ein heutiger Desktop weitaus mehr können muss. Getreu dem Motto “Das können wir auch und zwar noch besser” habe ich mich mal ein bisschen mit 3D Desktops für den X-Server beschäftigt. Heute sind der speziell für diesen Anwendungsfall entwickelte X-Server Xgl und der Fenstermanager Compiz dran.

Bei der Beschreibung der Installation halte ich mich grösstenteils an Gentoo, da dies die von mir eingesetzte Distribution ist.
Als erstes benötigen wir Xgl. Da sich dieser noch sehr im Anfangsstadium der Entwicklung befindet, ist er noch nicht im offiziellen Portage Tree verfügbar. Um Xgl nun emergen zu können, müssen wir erstmal das xeffects Overlay hinzufügen. Dies macht man über den Overlay-Manager layman.
emerge -va layman
echo "source /usr/portage/local/layman/make.conf" >> /etc/make.conf
Nun kann das Overlay installiert werden:
layman -f -a xeffects
Da Xgl wie gesagt noch im Alpha Stadium ist, müssen folgende Zeilen zur /etc/portage/package.keywords hinzu gefügt werden:
x11-base/xgl
media-libs/mesa
x11-libs/libdrm
x11-wm/compiz
x11-libs/libcm
Für Xgl wird die Vektorgrafikbibliothek cairo benötigt. Falls die noch nicht installiert ist, sollte man sie emergen (oder zumindest auf aktuellen Stand bringen) und anschliessend pango und gtk+ aktualisieren. Anschliessend können Xgl und compiz nun installiert werden. Ausserdem wird die mesa Bibliothek benötigt. Compiz sollte dabei mit dem USE-Flag gnome und falls man KDE benutzt noch zusätzlich mit dem USE-Flag kde kompiliert werden (/etc/portage/package.use). Leider benötigt man das gnome USE-Flag auch unter KDE, da sich compiz sonst nicht konfigurieren lässt:
emerge -av mesa xgl compiz
Damit wären Xgl und compiz erstmal installiert. Nun kann man compiz entweder über das gconftool oder bequemer über die grafischen Tools gconf-editor bzw. compiz-settings (müssen beide noch zusätzlich installiert werden) konfiguriert werden. Siehe dazu auch das Gentoo Compiz HowTo.
Zum Testen starten wir nun den Xgl Server inklusive compiz in einem extra Fenster:
Xgl :1 -ac -accel glx:pbuffer -accel xv:pbuffer &
LD_LIBRARY_PATH=/usr/lib/opengl/xorg-x11/lib/ DISPLAY=:1 compiz gconf &
DISPLAY=:1 gtk-window-decorator &
DISPLAY=:1 xterm &
Dies öffnet ein Fenster, in dem der Xgl Server mit einer Instanz des xterm Terminals läuft. Für KDE kann man anstatt des gtk-window-decorator den kde-window-decorator benutzen. Wenn man nun ein Fenster mit Xterm drin zu sehen bekommt, hat alles geklappt. Falls alles etwas langsam ist, sollte man überprüfen, ob die 3D Beschleunigung der Grafikkarte auch aktiviert ist:
glxinfo | grep rendering
Steht dort nun “no”, dann sollte man sich nochmal mit einem Howto für hardwarebeschleunigtes 3D für seine Grafikkarte auseinander setzen.
Wenn dies nun Zufriedenstellund funktioniert, kann man Xgl anstatt des normalen X-Servers starten lassen. Für KDE ändert man dazu folgenden Eintrag in der Datei /usr/kde//share/config/kdm/kdmrc:
ServerCmd=/usr/bin/Xgl -br -ac -accel glx:pbuffer -accel xv:pbuffer
Für andere Window Manager verweise ich auf das offizielle Gentoo Xgl Howto.
Zum Schluss muss nurnoch Compiz gestartet werden. Dies erreicht man unter KDE z.B. über ein Autostart Script (~/.kde/Autostart/compiz.desktop):
[Desktop Entry]
Encoding=UTF-8
Exec=compiz –replace decoration wobbly fade switcher minimize cube rotate zoom scale move resize place & kde-window-decorator &
GenericName[en_US]=
StartupNotify=false
Terminal=false
TerminalOptions=
Type=Application
X-KDE-autostart-after=kdesktop
Voila, nun sollte Xgl samt Compiz beim Starten des X-Servers automatisch geladen werden. Viel Spass mit dem neuen 3D Desktop.
Beim nächsten Mal ist dann die Xorg-Erweiterung AIGLX und der Compisite Manager Beryl dran.
